Arbeit der Zukunft

Arbeit der Zukunft

Arbeit der Zukunft

Die Entwicklung in unserer Stadt war in den letzten Jahren positiv. Bonn wächst. Nicht nur in der Einwohnerzahl, sondern auch in seiner wirtschaftlichen Leistung. Diese war pro Kopf in Nordrhein-Westfalen nur in Düsseldorf höher. Das gilt auch für die Kaufkraft.

Trotzdem gibt es gerade jetzt viel zu tun. Wir müssen dafür sorgen, dass alle an dieser Entwicklung beteiligt sind. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sie erwirtschaften und Arbeitsuchende. Der Bonner Arbeitsmarkt muss außerdem zukunftsfest für die Herausforderungen von Digitalisierung und Klimawandel gemacht werden.

 

Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung

Trotz der positiven Wahrnehmung unserer wirtschaftlichen Lage sind in Bonn aktuell über 12.000 Menschen beschäftigungslos. Noch im März 2019 lag ihre Zahl bei rund 10.000. Die Zahl der Menschen in Grundsicherung für Arbeitssuchende („Hartz IV“) ist dabei aktuell dreimal so hoch wie die Zahl der Leistungsempfänger aus der Arbeitslosenversicherung, also der seit kurzem Beschäftigungslosen.

Daneben ist es besonders im Dienstleistungssektor in den vergangenen Jahren zu einem Anstieg prekärer Beschäftigungsverhältnisse gekommen. Beschäftigungsverhältnisse, die es Menschen in unserer Stadt unmöglich machen, eine Wohnung zu finden und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Die Aufgabe der Politik ist es, das Aufstiegsversprechen der sozialen Marktwirtschaft für diese Menschen wahr werden zu lassen. Diese Aufgabe liegt beim Land. Das Land ist verantwortlich für die Bildungspolitik. Verantwortlich dafür, jedem Menschen in unserem Land die Chance zu eröffnen, seine Potentiale voll zu entfalten. Bildungspolitik endet nicht an der Schultür. Sie muss stärker zur Weiterbildungspolitik werden.

Selbstverständlich ist für eine sozialdemokratische Handschrift der Arbeits- und Wirtschaftspolitik die Einbeziehung fairer Bezahlung in die öffentliche Auftragsvergabe. Wir brauchen wieder ein wirksames Tariftreuegesetz, damit das Land als großer Auftraggeber aktiv gute Beschäftigungsbedingungen fördert.

 

Fachkräftemangel

Dem gegenüber stehen momentan rund 2.800 offene Stellen, die bei der Arbeitsagentur gemeldet sind. Sie sind Ausdruck des Fachkräftemangels. Staat und Wirtschaft werden ihn nur gemeinsam bewältigen können.

Scheitert die Qualifizierung von Bewerbern oder die Weiterqualifikation von Mitarbeitern an unternehmerischen Erfordernissen, muss der Staat Risiken übernehmen, um individuelle Perspektiven zu erweitern. Universitäten und Fachhochschulen müssen als staatliche Einrichtungen offen sein für den Auftrag der Weiterqualifikation auch von lebensälteren Menschen mit Beschäftigungserfahrung. Dort, wo formelle Bildungsabschlüsse fehlen, muss Weiterqualifizierung Hand in Hand mit der nachfragenden Arbeitgeberseite entwickelt werden. Etwa durch Beschäftigung und Qualifikation in Transformationsagenturen.

 

Starkes Duales Ausbildungssystem

Über die Hälfte der Schülerinnen und Schüler an Bonns Schulen erreichen momentan das Abitur. Das ist ein beeindruckender Wert. Diesen wie allen Absolventinnen und Absolventen unserer Schulen sollten wir den hohen Stellenwert unseres dualen Berufsausbildungssystems mit auf den Weg geben. Sie müssen aber gleichzeitig auch darauf vertrauen dürfen, dass eine Weiterqualifizierung entlang ihrer individuellen Potentiale auch in späteren Lebensabschnitten noch möglich ist. Meister und Master dürfen dann nicht am Geld scheitern.

 

Dienstleistungsstadt in Digitalisierung und Klimawandel

Über 90 Prozent des in Bonn erreichten wirtschaftlichen Mehrwerts, der Bruttowertschöpfung, werden durch Dienstleistungen erwirtschaftet. Hierzu zählen unter anderem Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Finanzdienstleister sowie öffentliche Dienstleistungen, Erziehung, wissenschaftliche Forschung, Gesundheit oder Information und Kommunikation. 

Die Dienstleistungsorientierung hat Bonn gut durch die Krisen der vergangenen Jahre kommen lassen. Sowohl von der Finanzkrise als auch der Corona-Pandemie waren wir weniger stark betroffen als industriell geprägte Regionen im Land.

Insbesondere die Digitalisierung wird aber unsere Art zu wirtschaften herausfordern. Der Einsatz neuer Technologien zur Informationsverarbeitung wird den Dienstleistungsbereich schon bald kraftvoll erfassen. Viele heute noch gut bezahlte Jobs werden hiervon betroffen sein.

Auch hier braucht es die Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft. Der Renteneintritt der Generation der Babyboomer wird den bereits bestehenden Fachkräftemangel in weiteren Bereichen verschärfen. Bewältigen werden wir ihn nur durch neue Konzepte der Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft.

 

Gründergeist und Innovationskraft

Mit Geld alleine werden wir allerdings diese Aufgaben nicht bewältigen. Wir sind überzeugt von der Innovationskraft und dem Gründergeist der Menschen in unserem Land.

Die rückläufige Zahl der Unternehmensgründungen in der Region (2016/2017 über 80 pro 100.000 Einwohner, 2020 unter 70) sowie im Vergleich der Bundesländer desaströse Zahl von Patentanmeldungen in Nordrhein-Westfalen (32 pro 100.000 Einwohner im Vergleich zu Baden-Württemberg: 122 oder Bayern: 90) verdeutlichen unseren Aufholbedarf.

Zur Bewältigung der Herausforderungen werden wir einen Transformationsfonds in Höhe von 30 Mrd. Euro für Klimaschutz und Digitalisierung einrichten. Allein das Unternehmen Biontech hat Rheinland-Pfalz zum Geberland im Länderfinanzausgleich gemacht. Es hat gezeigt, dass staatliche Förderung gut angelegt am Beginn beeindruckender Erfolgsgeschichten stehen kann. NRW muss diese Geschichten schreiben.